Ehrenamtliche aus dem AWO-Mehrgenerationenhaus Altötting und den Ortsvereinen des AWO-Kreisverbandes Altötting schildern in einer Interviewreihe ihren Weg zum Ehrenamt und ihre teils in Jahrzehnten gesammelten Erfahrungen. Einige haben Tipps für künftige Ehrenamtliche. Die Interviews führte Robert Attenhauser entweder persönlich im Mehrgenerationenhaus oder telefonisch im November und Dezember 2026.
Ehrenamtliche Hilfe wird anerkannt - Barbara Hesselbarth unterrichtet Deutsch für Fremdsprachler
Barbara Hesselbarth (Foto: Attenhauser)Wann sind Sie wie zu Ihrem Ehrenamt gekommen?
Ich war 29 Lehrerin an der Montessori-Schule (u.a. Deutsch, Geschichte) und bin seit drei Jahren in Rente. Ich hab einfach immer noch Spaß am Unterrichten. Nur Hausarbeit, Radfahren und Wandern ist ein bissl wenig, ich mag einfach noch etwas machen. Man macht halt das leicht, was man vorher so viele Jahre gemacht hat. Deshalb macht mir das Spaß.
Und wie kamen Sie zum Deutschunterricht im AWO-Mehrgenerationenhaus?
Ihr habt über die Zeitung für die Ukraine-Leute gesucht – da habe ich nachmittags mit den Ukrainern Sprachtraining gemacht.
Was sind die größten Herausforderungen im Ehrenamts-Alltag?
Es gilt die verschiedenen Sprach-Niveaus unterzubringen, weil die Voraussetzungen doch ein bissl verschieden sind – das zu vereinen und den Unterricht dennoch abwechslungsreich zu gestalten. Die Schüler wollen nicht nur das Buch durcharbeiten. Sprechen, Spiele – das macht es abwechslungsreich.
Erzählen Sie von positiven Ehrenamts-Erlebnissen!
Ich freue mich nach jeder Unterrichtsstunde, wenn ich merke, den Schülern hat es Spaß gemacht, sie stellen Fragen zum Stoff und bestehen die B1-Prüfung an der Volkshochschule. Wenn die Rückmeldung kommt „Ich hab’s geschafft“ – das ist eigentlich der größte Erfolg.
Das Ehrenamt als Einrichtung – was läuft gut oder schlecht?
Die Räumlichkeiten hier sind natürlich etwas eingeschränkt – aber ich hab mich mit dem Kellerraum gut abgefunden. Mir ist ein ruhiger Kellerraum lieber als ein lauter. Als Ehrenamtlicher wird man hier geachtet, es wird anerkannt, dass man hilft. Das finde ich sehr positiv. Die Mitstreiter sind sehr flexibel, wenn wir im Urlaub sind, vertreten wir uns gegenseitig – und ich will ja ein bissl mehr Urlaub machen als als Nicht-Rentner. Wenn Unterricht ausfallen würde, hätte ich ein schlechtes Gewissen.
Ehrenamtliche Helfer gibt es nicht genug – wie gewinnen Sie neue Kollegen?
Ich hab schon alles versucht, frage Lehrer, die gerade in Rente gegangen sind. Aber viele sind schon ehrenamtlich aktiv.
… also muss man ganz schnell fragen, schon kurz vor der Rente?
Ja! Auch wollen die Leute nicht dreimal in der Woche ins Ehrenamt und doch die Rentenzeit etwas genießen.
Und wie begeistert man mögliche Interessenten?
Da ist so toll, Du lernst Menschen kennen aus allen möglichen Ländern, auch zum Teil deren Lebensgeschichte und das ist das, was mir auch so Spaß macht. Du bist soviel allein als Rentner daheim, es ist doch toll, wenn Du Leute kennenlernst. Ich hab mich auch schon mit einer Afghanin angefreundet, die im Deutschkurs war, und helf’ ihrer Familie. Du lernst auch über den Unterricht hinaus Leute kennen.
Und wenn es mal nicht so läuft – was bewegt Sie, trotzdem weiterzumachen?
Du hast Leute da sitzen, die kommen hierher, die wollen lernen. Das ist der große Unterschied zur Schule, wo sie hinmüssen. Auch, dass sich die Leute hier das Buch selber kaufen müssen ist gut – ich mach zweimal Kopien und dann sag ich, wenn Du immer kommst, dann musst Du das Buch kaufen. Das ist eine Verbindlichkeit, ich hab 25 Euro ausgegeben, jetzt komm ich auch zu dem Kurs. Das find ich gut.
Was ist für das Ehrenamt der Zukunft zu tun?
Ich les viel, dass die Ehrenamtlichen gewürdigt werden. Mehr kannst fast nicht machen.









