Ehrenamtliche aus dem AWO-Mehrgenerationenhaus Altötting und den Ortsvereinen des AWO-Kreisverbandes Altötting schildern in einer Interviewreihe ihren Weg zum Ehrenamt und ihre teils in Jahrzehnten gesammelten Erfahrungen. Einige haben Tipps für künftige Ehrenamtliche. Die Interviews führte Robert Attenhauser entweder persönlich im Mehrgenerationenhaus oder telefonisch im November und Dezember 2026.
Erika Wimmer, Beisitzerin im AWO Ortsverein Burghausen, hilft dort, wo etwas ansteht, wie beim Frühstück oder Picknick oder früher beim Besuchsdienst im Krankenhaus.
Wie haben Sie zum Ehrenamt gefunden?
Ich war immer sozial aktiv - seit 15 Jahren mindestens von der Altenarbeit in der Evangelischen Kirche, der SPD und bis zur AWO. Wenn ich gesehen hab, dass irgendwo Hilfe nötig war, dann war ich da. Früher kamen viele Ehepaare aus Berlin hierher. Die Männer starben irgendwann, die Frauen blieben alleine – die Kontakte, die sie nicht hatten, haben wir durch unsere Arbeit hergestellt. Das Thema war mir wichtig, ein Thema, das wir im Moment auch haben – die Alterseinsamkeit war damals schon aktuell.
Wie sieht heute Ihr ehrenamtlicher Alltag aus?
Wir besprechen was wir machen im Vorstand und dafür setze ich mich dann ein. Die Leute freuen sich immer, wenn man auf sie zugeht – und sind zum Teil vorsichtig, dass sie einen nicht überfordern oder ausnutzen. Wobei manche – wenn man ihnen den kleinen Finger hinhält, dann nehmen sie gleich alles. Man kann sich dann auch ganz vorsichtig stückweise zurücknehmen.
Welchen Herausforderungen sehen Sie sich gegenüber?
Die größte Herausforderung ist das Einstellen auf die verschiedenen Leute. Alle haben andere Ansprüche und Eigenheiten, die man im Alter entwickelt. Darauf einzugehen ist manchmal nicht einfach – mit der Zeit lernt man die empfindlichen Punkte kennen und wie man mit ihnen umgehen muss.
Was läuft gut?
Ich habe eine ältere Freundin gehabt. Als deren Mann starb, stand sie vollkommen hilflos vor dem Ganzen, wusste beispielsweise nicht, wie sie mit den Bankunterlagen umgehen sollte. Sie hatte zwar Kinder – aber sie hat mich gefragt „Kannst Du mir helfen?“. Ich wollte sie dabei nicht zudeckeln, sie sollte behutsam lernen, das in die Hand zu nehmen. Da hat das alles gut geklappt. Fahrdienste gehörten auch dazu, um sie am Leben teilnehmen zu lassen.
Die Kinder helfen in solchen Fällen nicht immer?
Das ist manchmal schwierig, weil man ihnen die Hilflosigkeit nicht so zeigen möchte. Man möchte das aktive eigene Leben haben und auch zeigen.
Im AWO Mehrgenerationenhaus Altötting gibt es wie andernorts nie genug ehrenamtliche Helfer – wie gewinnt man neue?
In dem man im Bekanntenkreis darauf aufmerksam macht, sie einbezieht, damit sie sehen, was man bewirken kann. Anhand der Arbeit und von Erzählungen sehen sie manche Sachen, die sie auch machen können. Das sind manchmal nur kleine Sachen, der Nachbarin beim Einkauf helfen, fragen, ob man etwas erledigen kann. Solche Dinge sind unwahrscheinlich wichtig. Wenn wir Frühstück machen, sage ich im Bekanntenkreis „Komm doch mal mit! Schau es Dir an!“ Dann sitzen wir an großen Tischen zusammen und bekommt allein dadurch Kontakte. Man kann Leute einbeziehen, mit Druck geht gar nichts. Ehrenamtliche zu gewinnen ist möglich.
Ein Rat an die Mitarbeiter im Ehrenamt?
Geduld haben, hinschauen und sich über kleine Aufmerksamkeiten freuen. Hinzuschauen geht in dieser Gesellschaft verloren. Ich habe den Eindruck, das klingt vielleicht nicht sehr gut, dass von jungen Leuten sehr viel Egoismus ausgeht. Aber das müsste eigentlich an unserer Erziehung liegen. Ich glaube in einer großen Familie muss man grundsätzlich mehr Rücksicht aufeinander nehmen als in einer Ein-Kind-Familie. Ich finde es nicht richtig, dass man als Ehrenamtlicher besonders hofiert wird. Ich finde das selbstverständlich, dass jeder auf seinen Mitmenschen achtet, zu helfen, wo er es nötig hat – wenn er den Mut hat, einen anzusprechen und ihm Hilfe zu geben, mutig zu sein, um Hilfe zu bitten.









